Benzodiazepine und Analgetika  –  Wenn Medikamente zur Gefahr werden
benzodiazepine und Abhängigkeit

Benzodiazepine und Analgetika – Wenn Medikamente zur Gefahr werden

Neben den positiven Effekten, die eine Medikamenteneinnahme mit sich bringt, können auch zahlreiche negative Auswirkungen auftreten. So kann es primär bei der Einnahme von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln (Benzodiazepine) oder opioidhaltigen Schmerzmitteln zu einer Medikamentenabhängigkeit kommen, von der in Deutschland etwa 1,4 bis 2,6 Millionen Menschen betroffen sind (1, 2, 3).

Nach einer Studie (4) nahmen im Jahr 2010 etwa 5,1% der Bevölkerung Benzodiazepine zu sich und 1,1% eine der Z-Substanzen. Dies macht einen Anteil von etwa 4 Millionen bzw. 823 tausend Menschen aus der Gesamtbevölkerung aus.
Insbesondere ältere Menschen über 60 Jahren wird häufig Benzodiazepine verschrieben (5). Gleichzeitig ist aber in dieser Altersgruppe der Rückgang von allgemeinen Verschreibungen am deutlichsten (13).

Hat sich die Einnahme von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln seit 2006 zwar reduziert, so stieg jedoch der Gebrauch von Schmerzmitteln zwischen 2006 und 2016 um 21% an (6). Dieser Anstieg wird auch durch eine Studie (7) deutlich, laut welcher die Verschreibung von Opioid-Analgetika bei GKV-Versicherten zwischen 2000 und 2010 von 3,3% auf 4,5% anstieg. Viele dieser Patienten erhielten das Schmerzmittel auch aufgrund kleinerer Beschwerden, entwickelten eine Abhängigkeit und stiegen später auf andere Medikamente oder sogar Heroin um (8).
Auffällig hierbei ist, dass immer mehr junge Patienten derartige Medikamente einnehmen (13).

Vor allem bei der Einnahme einer geringen Dosis über einen längeren Zeitraum kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. So kann diese Niedrigdosisabhängigkeit unter anderem zu Frakturen durch Stürze (9,10), Pneumonien (11) oder Demenz (12) führen.

Benzodiazepine und Abhängigkeitsrisiko

Bei der Verschreibung von Medikamenten mit Abhängigkeitspotential ist es also wichtig, dass sich die Dauer der Einnahme auf einen kleineren Zeitraum beschränkt und Ärzte anhand einer guten Schulung fähig sind, Patienten bezüglich der Nebenwirkungen aufzuklären. Damit wird vermieden, dass es durch eine längere Einnahme zu Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit kommt (13).

Trotz dieser Leitlinien werden vielen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln ganzjährig verschrieben; und auch bei den Patienten, die opioidhaltige Schmerzmittel verschrieben bekommen haben, wird ein Trend zur längerfristigen Einnahme erkennbar (13).

1. Glaeske G., Hoffmann F.:
Medikamente – Psychotrope und andere Arzneimittel mit Missbrauchs-
und Abhängigkeitspotential. In: Deutsche Hauptstelle für
Suchtfragen, ed.: Jahrbuch Sucht 2014. Lengerich: Pabst Science
Publishers 2014

2. Gomes de Matos E., Atendord
J., Kraus L., Piontek D.: Substanzkonsum in der Allgemeinbevölkerung
in Deutschland. SUCHT 2016; 62: 271-81

3. Pabst A., Kraus L., Gomes
de Matos E., Piontek D.: Substanzkonsum und substanzbezogene
Störungen in Deutschland im Jahr 2012. SUCHT 2013; 59: 321-31

4. Buth S., Holzbach R.,
Rosenkranz M., Verthein U.: Der Gebrauch von Medikamenten mit
Abhängigkeitspotential in Deutschland. Eine prospektive Analyse
kassenärztlicher Verschreibungen der Jahre 2006 bis 2010.
Bundesgesundheitsblatt 2017; 60: 865-72

5. Nurminen J., Puustinen J.,
Lähteenmäki R. et al.: Hangrip strength and balance in older adults
following withdrawal from long-term use of temazepam, zopiclone or
zolpidem as hypnotics. BMC Geriatr 2014; 14: 121.

6. Schwabe U., Paffrath D.,
Ludwig WD., Klauber J.: Arzeiverordnungs-Report 2017. Berling,
Heidelberg: Springer Verlag 2017.

7. Schubert I., Ihle P.,
Sabatowski R.: Zunahme der Opioidverordnungen in Deutschland zwischen
2000 und 2010: Eine Studie auf der Basis von Krankenkassendaten.
Dtsch Arztbl 2013; 110: 45-51.

8. Helmerhorst GTT., Teunis
T., Janssen SJ., Ring D.: An epidemic oft he use, misuse and overdose
of opioids and deaths due to overdose, in the United States and
canada. Bone Joint J 2017; 99-B: 856-64.

9. Xing D., Ma XL., Ma JX.,
Wang J., Yang Y., Cheng Y.: Association between use of
benzodiazepines and risk of fractures. A meta-analysis. Osteoporos
Int 2014; 25: 105-20.

10. Bakken M., Engeland A.,
Engesaeter L., Ranhoff A., Hunskaar S.: Risk of hip fracture among
older people using aniolytic ans hypnotic drugs: a nationwide
prospective cohort study. Eur J Clin Pharmacol 2014; 70: 873-80.

11. Chen TY., Winkelman JW.,
Mao W-C., Liu CL., Hsu CY., Wu CS.: The use of benzodiazepines
receptor agonists and the risk of hospitalization for pneumonia.
CHEST 2018; 153: 161-71.

12. Islam MM., Iqbal U.,
Walther B., et al.: Benzodiazepine
Use and Risk of Dementia in the Elderly Population: A Systematic
Review and Meta-Analysis. Neuroepiodemiology 2016; 47: 181-91.

13. Buth S., Holzbach R.,
Martens MS., Neumann-Runde E., Meiners O., Verthein U.: Problematic
medication with benzodiazepines, „Z-drugs“, and opioid analgesics
– an analysis of national health insurance prescription data from
2006-2016. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 607-14. DOI:
10.3238/arztbl.2019.0607